Das Endocannabinoid-System

Lange Zeit konnten unsere Zellen miteinander kommunizieren, ohne dass wir mithören konnten. Wir nahmen an, dass sie miteinander sprechen, wussten aber nicht, wie. Im Laufe des letzten Jahrhunderts haben Forscher immer mehr Kommunikationssysteme im Körper entdeckt und verstanden, so auch die Sprache der Körperzellen. Wer eine neue Sprache lernt, der will sie auch anwenden. In der Folge haben Wissenschaftler die chemischen Botschaften ausgemacht und dem menschlichen Körper Hormone und Neurotransmitter zugeführt. Nun konnten sie mitreden und damit die Körperabläufe beeinflussen. Das kann im Fall von Erkrankungen hilfreich sein wenn zum Beispiel bei einer Unterfunktion der Schilddrüse die fehlenden Hormone von aussen zugeführt werden können.

Auch wer Cannabinoide einsetzt, unterhält sich mit seinen Zellen. Wie wir heute wissen, besitzen viele Zellen im Körper Rzeptoren für Cannabinoide Die Cannabinoide docken an diese an und übermitteln ihnen einen Arbeitsauftrag.

Wie das funktioniert, 1st erst seit Kurzem bekannt. Die Entdeckung des Hauptwirkstoffs von Cannabis, THC, gelang im Jahre 1964. Es dauerte weitere 24 Jahre, bis Forscher verstanden, wie THC im Körper wirkt. Sie stellten fest, dass THC im körpereigenen Dialog der Zellen ein Wörtchen mitzureden hat. Dies geschieht über das Endocannabinoid-System. Dieses liegt nicht an einem speziellen Ort, sondern befindet sich fast überall in unserem Organismus.

Seit seiner Entdeckung ist das Endocannabinoid-System wegen seiner enormen Effekte und seines therapeutischen Potenzials für den menschlichen Körper ein vorrangiges Untersuchungsobjekt der medizinischen Forschung geworden.

WAS IST DAS ENDOCANNABINOID-SYSTEM?

Man muss sich das Endocannabinoid-System (ECS) als ein im ganzen Körper vorkommendes verzweigtes Kommunikationssystem vorstellen das nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip funktioniert. Die Schlösser stellen hierbei Rezeptoren dar und die passenden Schlüssel sind die entsprechenden Botenstoffe, die Cannabinoide. Bei diesen Botenstoffen unterscheidet man Agonisten und Antagonisten. Während Agonisten einen Rezeptor aktivieren und so eine entsprechende Nachricht weiterleiten um Zellen Anweisungen zu geben, blockieren Antagonisten ihn.

CANNABINOID-REZEPTOREN

Das Endocannabinoid-System ist der Name für eine Reihe von Zellrezeptoren, die auf Cannabinoide und so ihre charakteristische Wirkungen im Körper bewirken. reagieren. Zwei primäre Zellrezeptoren bilden das ECS: Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) und Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2). Diese finden sich überall im Körper.

CB1

Rezeptoren, die zwar im gesamten menschlichen Körper vorliegen, aber vorrangig im Gehirn und im Rückenmark anzutreffen sind. Sie konzentrieren sich in Regionen, die mit den Verhaltensweisen verbunden sind, die sie beeinflussen, wie im Hypothalamus, der an der Appetitregulierung beteiligt ist, und der Amygdala, die eine Rolle bei der Gedächtnisleistung und der emotionalen Verarbeitung z.B. von Scherzwahrnehmung spielt. Sie finden sich auch in Nervenenden, wo sie zur Reduktion der Schmerzempfindung beitragen.

CB2

Typischerweise in Immunzellen und dem peripheren Nervensystem konzentriert vorkommend. Wenn sie aktiviert sind, wirken sie darauf hin als entzündungshemmende Immunreaktion, von der man weitläufig annimmt, dass sie eine Rolle bei der Immunantwort des Körpers bei bestimmten Krankheiten spielt.

CANNABINOIDE

Cannabinoide sind natürliche chemische Botenstoffe des Körpers. Sie liegen in großer Zahl vor und fallen jeweils in eine von zwei Kategorien: Endogen und exogen. Endogen bedeutet „seinen Ursprung im Körper habend“.

Exogen bedeutet „von aussen zugeführt“.

ENDOCANNABINOIDE

Cannabinoide, die von Natur aus im menschlichen Körper produziert werden, heissen Endocannabinoide. Ja ihr habt richtig gelesen: unser Körper produziert seine eigenen Cannabinoide. Sie werden innerhalb der Körperfettsäuren wie Omega-3 gebildet. Sie interagieren mit Cannabinoid-Rezeptoren, um Grundfunktionen wie Stimmung, Appetit, Schmerz, Schlaf und weitere mehr zu regulieren. Zu ihnen zählen:

Anandamid: Das erste Endocannabinoid, das von Wissenschaftlern entdeckt wurde. Sein Name kommt aus dem Sanskrit-Wort Ananda, was „Glückseligkeit“ bedeutet. Es findet sich in höheren Konzentrationen in vom Gehirn entfernt liegenden Körperregionen.

2-AG (2-Arachidonoylglycerin): Höchste Konzentrationen kommen im Gehirn vor. Es fördert das Knochenwachstum und wirkt neuroprotektiv.

Diese Endocannabinoide werden als kurzfristige Neurotransmitter bezeichnet, weil sie in inaktiven Bauteilen vorliegen und nur dann synthetisiert werden, wenn der Körper signalisiert, dass er sie akut benötigt. Sie werden nach ihrer Freisetzung schnell durch Enzyme wie FAAH (Fettsäureamidhydrolase) und MAGL (Monoacylglycerinlipase) abgebaut. Es gibt viele weitere Endocannabinoide wie Noladinether, Virodhamin und N-Arachidonoyldopamin (NADA). Ihre Rolle im Körper ist allerdings noch nicht vollständig entschlüsselt. Dein Körper produziert Endocannabinoide, um wesentliche körperliche Funktionen und Muster auszulösen. Dr. Ethan Russo, Neurowissenschaftler, Experte auf dem Gebiet der Cannabinoide und Berater bei GW Pharmaceuticals, glaubt, dass „mangelhafte Cannabinoidspiegel die zugrundeliegende Ursache von zahlreichen Krankheiten sein können.“ Dieser Endocannabinoidmangel könnte möglicherweise die Ursache für Erkrankungen und Beschwerden wie chronische Schmerzen oder Fibromyalgie sein, die im Zusammenhang mit dem Endocannabinoid-System stehen.

EXOGENE CANNABINOIDE

Die Gegenstücke zu den Endocannabinoiden sind exogene Cannabinoide oder auch Phytocannabinoide wie diejenigen, die bei der Einnahme von Cannabis in den Körper gelangen und dort über längere Zeiträume verbleiben.

Exogene Cannabinoide, wie man sie in Cannabispflanze findet, wie zum Beispiel THC und CBD werden als Phytocannabinoide bezeichnet. Phyto kommt aus dem griechischen und bedeutet „aus einer Pflanze stammend“. Wenn diese aufgenommen werden, interagieren sie mit dem ECS, wobei sie physische und psychologische Effekte im Körper erzeugen. Hierdurch wird das Endocannabinoidsystem (ECS) in einem größeren Ausmass aktiviert, so dass es in einem stärkeren und produktiveren Umfang arbeiten kann, als dies normalerweise der Fall wäre.

THC

Die Forschung zeigt, dass das Cannabinoid THC an beide Rezeptoren (CB1 und CB2) bindet und diese auf dieselbe Art und Weise Art aktiviert wie ein Endocannabinoid. Die Wirkungen von THC werden allgemein als psychoaktiv angesehen, aber diese Verbindung bewirkt weitaus mehr, als nur einen Rausch, denn es ist belegt, dass es auch bei chronischen Schmerzen, Übelkeit, Appetit, Asthma und Glaukomen hilft. Darüber hinaus ist THC nachweislich bei der Krebsbehandlung wirksam und interessanterweise hat es sogar eine symbiotische Wirkung auf den Körper, wenn es gemeinsam mit CBD eingenommen wird (Entourage Effekt).

CBD

CBD bindet sich tatsächlich nicht an irgendwelche Rezeptoren, sondern fungiert stattdessen als Hemmstoff für das Enzym FAAH, wodurch der Abbau von Anandamid – möglicherweise eines der entscheidendsten Endocannabinoide im Körper – verlangsamt bzw. verhindert wird. Das Ergebnis ist ein Aufbau von Anandamid im Gehirn. Während wir uns bewusst sind, dass THC eine offensichtliche psychoaktive Wirkung auf den Geist ausübt, hält man CBD auf der physiologischen Ebene für wirksam, wobei man gerade erst begonnen hat, die medizinischen Nutzen zu entdecken. Es ist aber nachweislich bekannt, dass CBD bei der Behandlung von schweren Erkrankungen hilft, einschließlich der Hemmung des Tumorwachstums, der Verringerung oder Verhinderung von Entzündungen und Übelkeit sowie bei Diabetes, PTBS, Schizophrenie, rheumatoider Arthritis, Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Psychosen, Angststörungen und sogar als Schmerzmittel bei Muskelkrämpfen oder neuropathischen Schmerzen.

FUNKTIONEN DES ENDOCANNABINOID-SYSTEMS

Wie können wir von all dem profitieren? Nun, das Endocannabinoid-System gilt als „Wächter der Balance“ und reguliert im Wesentlichen alle grundlegenden Funktionen und Abläufe, die unser Körper auszuführen hat, einschliesslich:

  • Stimmung
  • Schlaf
  • Appetit
  • Stoffwechsel
  • Schmerzwahrnehmung
  • Erinnerung und Gedächtnisleistung
  • Immunfunktion
  • Entzündungsreaktion
  • Neuroprotektion und Entwicklung
  • Verdauung
  • Reproduktion

Cannabinoid-Rezeptoren finden sich im ganzen Körper, eine große Zahl von CB1-Rezeptoren ist im Zentralnervensystem lokalisiert, während CB2-Rezeptoren häufiger in Immunzellen, im Magen-Darm-Trakt und im peripheren Nervensystem anzutreffen sind. Dies kann Dir eine Vorstellung von der Vielfalt der Funktionen geben, die uns das Endocannabinoid-System bietet. Dies hat zu der Theorie geführt, dass das Endocannabinoid-System den natürlichen Weg darstellt, um die Homöostase zu regulieren: die Fähigkeit, ein stabiles inneres Gleichgewicht durch Anpassung physiologischer Prozesse aufrechtzuerhalten.


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